Nachhaltiger Konsum

Grafik Zieldreieck
Die drei Komponenten nachhaltigen Konsums: Wirtschaft, Soziales und Umwelt. (© Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016, S.24)

Als Weltgemeinschaft haben wir alle eine Verantwortung dafür, unseren wunderbaren Planeten mit seiner Schönheit und vielfältigen Funktionen für kommende Generationen zu bewahren. Nicht jedem scheint diese Verantwortung bewusst zu sein, und so verändert sich die Welt in schnellen Schritten: ungleiche Ressourcenverteilung, soziale Armut, durch Klimawandel bedingte Naturkatastrophen und ein erschreckender Rückgang der meisten Tierarten prägen unsere Welt. Wir müssen handeln und zwar jetzt!

Dabei sind nicht nur die Produzenten unserer Wirtschaftsgüter, Banken, Handeltreibende, Wissenschaftler oder Politiker aufgerufen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Auch und vor allem wir Bürger, die wir als "Konsumenten" täglich entscheiden, welche Güter sich  am Markt durchsetzen können ...., wir sind ganz wichtige Treiber des Wandels. In welche Richtung sich alles wandelt, hängt von uns ab.

Wir als Stiftung für Mensch und Umwelt mögen in diesem Zusammenhang den Begriff "verantwortungsvoller Konsum" oder "enkeltauglicher Konsum". Er erscheint uns sinnvoller als der gebräuchliche Begriff "nachhaltiger Konsum". Dieser will ja ausdrücken "Konsum ohne nachhaltig negative ökologische und soziale Auswirkung", ist jedoch so, wie er oft verwendet wird, irreführend.

Definition und Beurteilung von nachhaltigem Konsum

Konsum ist der Gebrauch und Verbrauch von Gütern. Er wird erst dann enkeltauglich, wenn er „den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen" (Agenda 21, Rio de Janeiro 1992; Agenda 2030, United Nations).

Umweltrisiken und soziale Aspekte müssen also beim Kauf und der Nutzung von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt werden. Gerade in Deutschland fußt unser Konsum auf sehr komplexen, oft globalen, Produktionsprozessen und Lieferketten. Wir müssen lernen, unsere ökologischen und sozialen "Hinterlassenschaften" im Ausland zu erkennen und anzuerkennen. Hat unser Konsum in Deutschland negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme wie Flüsse, Seen, Alpen, Regenwälder, die Pole? Wie ist es um unser Nutzungs- und Entsorgungsverhalten von Konsumgütern und natürlichen Ressourcen bestellt (Wasser, Strom, Land etc.)? Fragen über Fragen ...

Nachhaltiger Konsum beeinflusst alle Phasen einer Wertschöpfungskette. Daher muss für die Beurteilung der Güte (kommt von gut. von ökologisch und sozial gut...) unserer Konsumgüter zwingend immer deren gesamter Produktlebenszyklus bedacht werden. Denn mit jeder Herstellung, dem Kauf, der Nutzung und der Entsorgung eines einzigen Produktes oder der Inanpruchnahme einer Dienstleistung können entlang der gesamten Wertschöpfungskette Emissionen und Ressourcenverbräuche usw. gemessen und beurteilt werden. Auf Grundlage solcher Berechnungen kann der sogenannte "Ökologische Fußabdruck" oder "Ökologische Rucksack" ermittelt werden. Für jeden von uns. Für jedes Land. Für die ganze Erde. Daraus resultiert der sogenannte "Earth overshoot day".

Grafik nachhaltiger Konsum betrifft die gesamte Wertschöpfungskette
Nachhaltiger Konsum kann sich auf alle vier Elemente der Wertschöpfungskette positiv auswirken (© Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 2016)
Genau hinsehen lohnt sich

Nachhaltiger Konsum ist eine komplexe Angelegenheit. So gibt es viele Handlungsweisen, die zwar nachhaltig erscheinen, aber bei genauerer Betrachtung nur einen Teilaspekt betrachtet. Der Aufruf  „Kauft regionale Produkte!“ kann z.B außer Acht lassen, dass regionale Äpfel, die im Herbst geerntet wurden, im Kühlhaus bei 1° Celsius gelagert werden müssen, damit sie Monate später noch frisch verkauft werden können. Ein anderes Beispiel wäre die Fahrt mit dem Zug. Nicht immer ist Bahn fahren ökologisch sinnvoller als Auto fahren. Ist ein Auto mit fünf Personen vollbesetzt, der Zug fährt jedoch auf dieser Strecke chronisch fast ohne Passagiere, würde die Ökobilanz wohl für die Autofahrt sprechen. Der politisch geforderte "nachhaltige Konsument" muss also ein ökologisch und sozial verantwortlicher Bürger sein, der genau hinschaut, bevor er entscheidet. Damit er oder sie nebenbei auch noch zum normalen (Arbeits- und Freizeit)Leben kommt, gibt es einige Organisationen, die helfen, Licht ins Dunkel zu bringen, z. B. der "Nachhaltige Warenkorb" und andere.

Sechs Bereiche des nachhaltigen Konsums

Konsum bedeutet den Gebrauch und Verbrauch von Gütern und kann in den Bereichen Ernährung, Bauen & Wohnen, Mobilität, Tourismus und Textilien erfolgen. Das Umweltbundesamt nennt die Bedarfsfelder Bauen & Wohnen, Mobilität und Ernährung als Hauptverantwortliche für die negativen Umweltfolgen des Konsums, nämlich 70-80% (Umweltbundesamt 2015, „Konsum und Umwelt: Zentrale Handlungsfelder“).

Konsum kann effizient (energie- und materialeffizient), suffizient (Maß an Konsum, was lebenserhaltend ist, aber nicht gierig/ übermäßig/luxeriös) oder einfach nicht enkeltauglich sein.

Enkelfreundlicher Konsum hat immer Anteile aus Suffizienz und Effizienz. Konsum, der lediglich auf effizient hergestellten Produkten und Dienstleistungen beruht, führt längst nicht immer zu einer Ressourceneinsparung. Grund dafür ist der Rebound-Effekt. Dieser bedeutet, dass alle Einsparungen von Energie und Material letztlich durch einen quantitativ höheren Konsum überkompensiert werden. So kann es zum Beispiel passieren, dass durch Effizienzverbesserung das Produkt oder die Dienstleistung zu einem günstigeren Preis angeboten wird. Führt dies zu einer gesteigerten Nachfrage, haben wir bzw. die Umwelt  nichts gewonnen (z.B. Trend zum Zweit- oder Dritt-Kühlschrank). Daher ist nachhaltiger Konsum nicht ohne eine Selbstregulierung möglich.

Folglich kann sich ein Konsum, der nachhaltig geführt wird, auf die gesamte Wertschöpfungskette positiv auswirken und eine nachhaltige Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen (siehe Abbildung). Es muss die Rohstoffgewinnung, die Produktion, die Distribution und die Entsorgung berücksichtigt werden, damit ein enkeltauglicher Konsum gewährleistet werden kann (siehe Abbildung). Dazu gehört z.B. die Beachtung der Energie- und Ökobilanzen des gesamten Produktlebenszyklus.

Grafik Bedarfsfelder
Die Bedarfsfelder des Konsums (c) BMUB
Beispiel "Textilien"

In den letzten Jahrzehnten wurden wir Konsumenten trainiert, preiswerte Kleidungsstücke (um nicht zu sagen: billige) und einen schnellen Modezyklus (sog. "Fast-Fashion") zu akzeptieren, in Teilen sogar inzwischen zu favorisieren. Ausgeblendet werden dabei die Auswirkungen von Produktion, Handel und Entsorgung zu Lasten von Arbeitern, Umwelt, Klima sowie der Gesundheit derjenigen, die diese Kleider am Leibe tragen.

Um enkeltauglichen Konsum in diesem Bereich voran zu treiben, müsste bei der "Fast-Fashion" …

  • …als soziale Komponente berücksichtigt werden, dass die Arbeitnehmer keinen gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen ausgeliefert sind
  • …unter Berücksichtigung der Umwelt beachtet werden, dass ökologisch-sozial angebaute Grundstoffe wie Baumwolle oder Leinen verwendet, dass Umweltschäden oder Wasserübernutzung vermieden, keine Bleichmittel, Farbstoffe etc. eingesetzt werden
  • …die ökonomische Komponente berücksichtigt werden, indem die Erzielung von langfristig wirtschaftlichen Erträgen nicht durch das Ruinieren der natürlichen Basisressourcen ad absurdum geführt wird

... aber dann wäre sie wohl keine "Fast Fashion" mehr :-)

Die sogenannte "Slow-Fashion" dagegen berücksichtigt die o.g. Wirtschaftsweisen. Beispiele:

  • Kleidung, die aus Biostoffen oder recycelten Materialien zu kaufen ist
  • gebrauchte also getragene Kleidung
  • Produkte von kleineren Labels, die lokal produzieren
  • Kleider, die einfach länger halten und nicht so schnell aus der Mode kommen
Ich und meine Konsumentscheidungen

Wie kann ich es schaffen, in möglichst vielen Lebens- und Konsumbereichen etwas Verantwortliches, Sinnvolles beizutragen? Muss ich mein ganzes Leben umkrempeln?

Zunächst ist es wichtig, genauer hinzuschauen, was gekauft oder wie verbraucht wird. Bewusster hinzusehen ist ein guter Anfang. Diese Fragen können helfen:

 

Grafik Beispiele für Fragen des nachhaltigen Konsums in den sechs Bedarfsfeldern
Beispiele für Fragen des nachhaltigen Konsums in den sechs Bedarfsfeldern